TEXT-WEHWEHCHEN

Adjektivitis. Eine Überfrachtung mit Eigenschaftswörtern schwächt einen Text in den allermeisten Fällen. Adjektive sehr sparsam einsetzen. Bei der Wahl zwischen zwei Eigenschaftsworten für das Aussagekräftigere entscheiden.  

Akuter Egotrip. Der Leser stellt sich nur eine Frage: What’s in for me? Was hab ich davon, wenn ich den Text lese? Für den Schreibenden heißt das: Nicht an der eigenen Story hängenbleiben, sondern immer an den Leser denken.
Merke: Nur weil Sie etwas interessant finden, heißt das noch lange nicht, dass andere es auch so sehen. Zuerst von Ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen abstrahieren, dann schreiben.

Bewegungslosigkeit. Ein Text sollte aktivieren. Daher: Passiv vermeiden, denn Passiv macht – nomen est omen – passiv. XY wurde in Studien bewiesen > Studien bewiesen… Lebendigen Verben den Vorzug geben. Nominalkonstruktionen sprengen.

Blähungen. Jedes Wort sollte ein Quantum Sinn transportieren. Geblähte Floskeln eindampfen:
Zu diesem Zeitpunkt > jetzt
ein Ding der Unmöglichkeit > unmöglich
Stillschweigen bewahren > schweigen

Blutarmut. Texte wollen leben und atmen. Aktivierende Verben sind die roten Blutkörperchen im Textkorpus! Verben mit –ieren (sofern möglich) meiden. Modalverben (können/dürfen/müssen…) nicht überstrapazieren. Eine Inflation der Hilfsverben (haben/sein) wirkt nicht sehr inspiriert.

Chronische Abschweifung. Nicht auf das Zentrum der  Geschichte vergessen! Welche Story verbirgt sich hinter der Meldung? Würde ich einen Film zum Thema drehen, mit welcher Szene könnte er beginnen? Wie lautete der Titel? Auf welche Weise könnte sich der Plot entfalten?

Copypastitis. Haben wir vielleicht wieder mal von uns selbst abgeschrieben? Schleichender Vorgang, vor allem bei Routine-Schreibarbeiten, daher erhöhte Aufmerksamkeit!

Demenz. Mehrfach dasselbe sagen – nur mit anderen Worten. Dieselben Dinge immer anders bezeichnen (auf Corporate Language und Stringenz achten!)

 Depression. Ein guter Text packt den Leser beim emotionalen Schlafittchen. Merke: Auch Journalisten sind Leser – und Menschen, die durch eine Story vom Hocker gerissen werden wollen. (Zumindest hinter dem Zeitungs-Ofen hervorgelockt).  

Fehleinschätzung. Das Wichtigste gehört vorangestellt. Warum das gesagt werden muss? Allzu oft findet man die zentrale Aussage im letzten Satz.

Floskel-Ausschlag. Untersuchen wir unsere Texte auf Gemeinplätze, Klischees  und eingerastete Wortkombinationen: „In unserer hektischen Zeit“, „Sturm der Entrüstung“, „Bild des Grauens“, „Spitze des Eisbergs“, „In diesem Zusammenhang“…

Indroduktionsphilie. Einleitung? Gibt’s keine. Es gilt: in medias res. Springen Sie in Ihr Thema. Ihre Leser werden es Ihnen danken.

Komplizierte Brüche. Wie kann ich’s einfacher formulieren? Merke: Ein Satz, eine Botschaft. Info-Dumpf – viele Infos mittels Einschüben in den Text hineinoperiert – vermeiden! Kraftvolle Sprache ist kurz und bündig.

Kurzsichtigkeit. Während des Schreibens immer den (potentiellen) Leser im Auge behalten! Was weiß er über das Thema, welche Vorurteile sind damit verbunden? Welche Ängste/ Hoffnungen/ Befürchtungen verknüpft er mit dem Thema? Das sind die so genannten „Insights“, die man im Text durchaus aufgreifen kann! (fördert Identifikationspotential). 

Übergewicht. Merke: ein Satz – eine Botschaft. Ein mit Informationen überladener Satz (Info-Dump) wirkt schwerfällig und kann beim ersten Lesen kaum erfasst werden.